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Seit 1935: Scherben-Klinik
in der Bundesstrasse repariert zerbrochene Vasen - Preise Ab 20
Mark
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ist der Retter. Arne Zimmermann rettet, was vermeintlich nicht mehr
zu retten ist. Die letzte Rettung sozusagen für jene, die unglücklich
gestolpert sind, die nach einem Wutanfall unbedachte Bewegungen
bereuen, oder die unschuldig Opfer übereifriger Putzfrauen oder
tolpatschiger Verwandter wurden. In seiner Scherben-Klinik in der
Bundesstraße repariert und restauriert Zimmermann Porzellan, Glas
und Keramik, vornehmlich wertvolle Vasen, Figuren oder Wandteller,
die bei ihren Besitzern meistens ungewollt zu Bruch gegangen sind.
In mühevoller und manchmal wochenlanger
Kleinarbeit fügen Zimmermann und seine Mitarbeiter die Scherben
wieder zusammen. Und bisher hat er noch jede Aufgabe bewältigt,
bei der alle Teile vorhanden waren. "Aber schlimm ist es", sagt
er, "wenn die Kunden zunächst versuchen, die Stücke selbst zu reparieren."
Da bekomme er den Kleber kaum ab, manchmal gehe auch noch mehr zu
Bruch. Unappetitlich sei es auch, wenn die Scherben schon im Müll
gelegen hätten, sagt Zimmermann, und ihn erst dann erreichten -
inklusive Kaffeesatz und Bananenresten.
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Brennofen werden die Scherben zunächst bei 700 Grad von Fetten und
Verschmutzungen gereinigt, anschließend beginnt das filigrane Puzzle.
Abbindezeiten der Kleber bremsen oft Zimmermanns Tatendrang. "Manchmal
kann ich am Tag nur eine Scherbe anfügen, weil ich bis zu 20 Stunden
warten muss", erklärt er die Dauer einer Reparatur von durchschnittlich
zwei bis vier Wochen und die Preise von 20 Mark aufwärts.
Der Wandel in punkto Lebensstil hat allerdings
auch die Hamburger Scherben-Klinik nicht verschont- Zimmermann hat
sich darauf eingestellt. Früher hätten abgebrochene Henkel von teuren
Tassen oder andere Service-Teile den größten Teil seiner Arbeit
ausgemacht, erzählt er. "Aber dafür stehen die Zeiten heute nicht
mehr gut." Seine Generation kaufe sich da lieber schnell ein neues
Service bei Ikea, weshalb er derzeit vor allem Vasen und schmückendes
Porzellan repariere, so der gelernte Tischler, der zwar auch Gips
restauriert, aber kein Holz, wie er schmunzelnd betont.
ein
Vater gründete die Scherben-Klinik bereits 1935, die Räume in der
Bundesstraße wurden im Jahr 1961 bezogen. 1997 übernahm Arne Zimmermann
die Werkstatt selbst. Vor allem die enge Beziehung der Kunden zu
ihren geliebten Stücken sei ein wichtiger Grund für den Wunsch der
Wiederherstellung, erklärt der Restaurator. "Schließlich ist eine
zerbrochene Meißen-Vase genau genommen nicht mehr viel wert, auch
dann nicht, wenn sie repariert ist." Bei Erbstücken oder sonstigen
schön anzusehenden Objekten geht es allerdings nicht immer um den
schnöden Mammon. So wohl auch nicht bei einer zersprungenen Büro-Kaffeetasse
mit dem sinnerfüllenden Aufdruck "Moin Moin". Mitarbeiter ließen
sie für einen Kollegen aufwendig reparieren und legten den Preis
dafür zusammen insgesamt 150 Mark.
(Die Welt v. 23.02.2000)
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