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und Porzellan wird repariert von Arne Zimmermann
cherben
bringen Glück...
Das behauptet zumindest ein altes Sprichwort. Doch wenn tatsächlich
die geliebte Frühstückstasse klirrend zu Boden geht, ist man erstmal
ziemlich unglücklich. Und wenn vom teuren Meißner Erbstück nur noch
Scherben übrig bleiben, so bedeutet das meistens eine mittlere Katastrophe.
Aber zum Glück gibt es Arne Zimmermann. In seinem Porzellan-Reparatur-Studio
kümmert er sich um Zerbrochenes aller Art und tröstet sogar die
verzweifelten Besitzer. "Viele müssen sich erstmal von der Seele
reden, wie das Mißgeschick passiert ist", erzählt der 29jährige.
Fast alle Kunden verlassen das Geschäft mit dem beruhigenden Gefühl,
daß der "Porzellandoktor von solvente" ihr Lieblingsstück wieder
richtet. Und der gibt sich größte Mühe, um ihren Erwartungen gerecht
zu werden. Das Wort "kaputt" existiert für ihn zunächst gar nicht.
Auch für scheinbar aussichtslose Fälle gibt es bei Arne Zimmermann
meist eine Lösung.
So bleibt er äußerst gelassen, als er eine Plastiktüte
auspackt, deren Inhalt aus einigen handtellergroßen Teilen und zahllosen
winzigen Splittern besteht. "Das war eine kleine Tänzerin aus Porzellan",
erklärt der Kunde. Sein unverhohlenes Entsetzen läßt erkennen, daß
er die filigrane Balletteuse nicht für einen Polterabend verwenden
wollte. Die Figur wurde aus Frankreich geliefert, war aber für den
Transport offensichtlich nicht korrekt verpackt worden. Während
der Besitzer sichtlich nervös auf Arnes Zimmermanns Diagnose wartet,
nickt dieser nur bedächtig. "Kein Problem", meint er dann, "Ich
hab' schon Schlimmeres gesehen."
r
wird die Teile zunächst wieder zusammen "puzzeln" und aneinander
kleben. Eventuelle Lücken füllt Arne Zimmermann mit Kunstharz aus,
denn die stecknadelgroßen Splitter der Figur kann er nicht wiedereinfügen.
Die geklebten Stücke werden dann in einem sehr heißen Ofen regelrecht
"zusammengebrannt", damit sie auch ja nicht wieder zerbrechen. Anschließend
wird alles noch einmal farblich nachgearbeitet. "Auf dem Gebiet
bin ich nicht so gut", gesteht er, "deshalb erledigt hier eine Kunststudentin
diese sehr akribischen Malereien."
Um zu demonstrieren, daß nach der Reparatur kaum
sichtbare Spuren bleiben, nimmt der junge Mann ein weißes Porzellanroß
vom Regal. "Hier war ein Vorderfuß abgebrochen", erklärt er und
deutet auf die besagte Stelle. Erkennbar ist absolut nichts, doch
Arne Zimmermann hat hier einen anderen Pferdefuß aus Keramik angeklebt.
"Der Originalhuf war abhanden gekommen", grinst er, "da mußte ich
improvisieren." An Ideen zur Wiederherstellung seiner "Porzellanpatienten"
mangelt es dem Hamburger jedenfalls nicht. Hat er mal kein Ersatzteil
zur Hand, schleift er eine Scherbe so lange zurecht, bis sie paßt
oder modelliert ganz neue Teile aus hartem Gips.
elernt
hat Arne Zimmermann dieses seltene Metier von seiner Mutter, die
das Studio in der Sierichstraße - gegenüber vom U-Bahnhof "Hudtwalckerstraße"
- schon 1966 eröffnete. "Eigentlich wollte ich hier nie arbeiten"'erinnert
sich Arne Zimmermann, "es reichte mir, daß ich seit frühester Kindheit
nur von Scherben und Porzellan umgeben war. So machte er um die
Werkstatt immer einen großen Bogen, lernte stattdessen erst Tischler
und später Autoverkäufer. Beim Jobben in Mutters Laden packte ihn
schließlich doch die Leidenschaft für Splitter und Scherben. "Erst
durfte ich nur Gläser abschleifen und einzelne Teile reinigen",
erzäht er belustigt, "aber bald mußte ich auch mal einen abgebrochenen
Henkel wieder ankleben."
Inzwischen hat der sympathische Hamburger den
Laden längst fest im Griff. Viele Sammler und Museen wenden sich
an ihn, damit er ihre alten Kostbarkeiten repariert. Oft aber bringen
die Kunden auch ihr Alltagsgeschirr - weil das Zerbrochene zu einem
Service gehört, das es nicht mehr zu kaufen gibt, oder weil es für
sie einen hohen ideellen Wert hat. Vieles kann Arne Zimmermann nicht
vollständig restaurieren, sondern nur erhalten, das heißt man sieht
nach der Reparatur noch die Klebestellen. "Das läßt sich manchmal
nicht verhindern", bedauert der Porzellandoktor, "aber oft sind
die Kunden glücklich, wenn sie ihr Lieblingsstück, das sie schon
verloren glaubten, wieder an seinen alten Platz ins Regal stellen
können."
(Hamburger Rundschau v. 17.11.1994)
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